Melanie Diener – höchstpersönlich

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Nach der Premiere von Tristan und Isolde in Toronto

Hallo meine Lieben,  nun hat ja die Premiere von Tristan und Isolde stattgefunden, auch ein zweite Vorstellung ging schon über die Bühne.....
und es ist jedes Mal anders und anders aufregend und ein großes Erlebnis  - die Premiere war ja ein außerordentliches Ereignis für mich !!

Dazu kam noch das positive Feedback von Globe and Mail und dem Toronto Star, die ich auszugweise am Ende des Blogs zitiere.

Das war jetzt meine erste Isolde live auf einer großen Bühne mit wunderbaren Kollegen - allen voran Ben Heppner als mein Tristan  - dann Daveda Karanas als meine " Vertraute " Brangäne - auch ein Rollendebüt - da kann man sich dann doch gegenseitig unterstützen. Alan Held als Kurwenal und Franz - Josef Selig als König Marke -  und unser wunderbarer Dirigent mit" seinem Orchester " Johannes Debus :  Isolde ist  ein "Urerlebnis " , da sie wieder eine dieser Frauenfiguren ist mit  unendlichen  " Farben " und einer immensen Gefühlspalette .  Ich denke, sie ist die menschlichste  aller Wagner Frauenfiguren. Und man versucht ja, sich dieser Figur währen des "Erarbeitens "  ein wenig anzunähern, sie sich zu eigen zu machen- wobei ich denke , dass diese Frauengestalt ein "Lebenswerk" ist,  wie eine "unendliche Geschichte ". Ich denke , dass ich mich  Ihr nur  ein wenig annähern konnte -ich  habe sie sozusagen nur "angekratzt"! Oft sieht man  während eines solchen Prozesses  ja "den Wald vor lauter Bäumen nicht" .....

Grad hab ich meinen  letzten Eintrag noch einmal durchgelesen und kurz überlegt , ob ich ihn  wieder heraus nehmen sollte. Nein!  All diese Empfindungen fließen ja beim Erarbeiten ineinander,  es ist eine ständige "work in progress", und genau das gehört zu einem solchen Prozess ja dazu.
Genau das braucht es,  um in eine Figur wirklich einzutauchen und auch eintauchen zu können . Und natürlich braucht es auch einen Regisseur,  der einem die Möglichkeit bietet diese Türen zu öffnen -  und in diesem Fall hat Peter Sellars bei mir sehr viele  Türen  geöffnet .  Ich bin ihm dafür sehr dankbar - es war eine unglaublich bereichernde Arbeit! Man muss sich das in etwa so vorstellen: Man fängt an, eine Szene zu erarbeiten und bei der nächsten Probe hat Peter uns immer da abgeholt,  wo wir vorher  gestoppt hatten und  es dann  weiter auf eine nächste, bessere  Ebene entwickelt und hochgehoben. Das alles ist natürlich sehr intensiv,  aber auch unglaublich bereichernd und beglückend - danke !

Ich denke  jetzt auch , dass es kein besseres Haus für mich hätte geben können als die COC Toronto , um eine erste Isolde auszuprobieren  - die Akustik des Opernhauses ist optimal, dazu, wie gesagt,  die  tollen Kollegen , Dirigent ; Regisseur... auch  alle Mitarbeiter des Hauses waren an allem interessiert und waren mit Herz und Seele dabei - abgesehen von der Kantine..... aber es gibt hier ja an jeder Ecke Restaurants  oder Imbisse ...... und es kam mir dann wieder in den Sinn , dass es in Straßbourg bei der Rosenkavalierproduktion  auch keine gegeben hatte. Da hatte es mich aber kaum  gestört - da sieht man mal wie unterschiedlich die Gefühle sind, wenn man unter Stress steht.
Jetzt freue mich , wenn ich diese Figur in der Zukunft noch weiter und weiter entwickeln kann und darf.
Wenn mich das jemand vor einem Jahr gefragt hätte....

Peter Sellars "in action"

Proben-Stilleben

The Globe and Mail, Jan 30, 2013
Am Dienstagabend jedoch war es nicht nur die Brillanz von Sellars und Violas gemeinsamer Vision, sondern es waren die großartigen Stimmen, die diesen “Tristan” zu so eindrucksvollem Leben erweckten. (....) Und Melanie Diener, die ihre erste Isolde sang, stand Ben Heppner, der seinen vielleicht 70. Tristan sang, in keiner einzigen ihrer ekstatischen Phrasen nach. Diener singt nicht mit der traditionellen Kraftstimme einer Isolde, und genau deshalb war sie so gut – ihr bestens kontrollierter und müheloser Sopran war genauso flexibel wie Heppners Tenor, mag sie auch ihre Rolle nicht ganz mit seiner Dramatik verstehen. Aber wenn die beiden in der Folge von Duetten versanken, die den zweiten Akt des „Tristan“ zur unheimlichsten, erhebendsten aller musikalischen Erfahrungen machen, dann lag so etwas wie musikalische Perfektion in der Luft. (Robert Harris)

Toronto Star, Jan 30, 2013
Das Erstaunliche aber an dieser Version von „Tristan und Isolde“ ist, dass es über all der erwähnten kraft, die man in Wagner sucht, auch eine Gefühlstiefe gibt, die uns über all die Großartigkeit in die Seelenqual zweier leidender Seel blicken lässt.
Hier war Melanie Diener der Schlüssel, eine Frau der erkennbaren Leidenschaften, hin- und hergeworfen zwischen Hass und Liebe, so wie Tristan und sie auf ihrer schicksalhaften Reise nach Cornwall vom Meer hin- und hergeworfen werden. Dieners Stimme ist wie Met, der alte Honigwein, der gleichzeitig wärmt und betäubt. Während sie mit ihren gegensätzlichen Emotionen ringt, spüren wir jede Nuance ihres inneren Kampfes und fühlen den Schmerz, den sie erleiden muss. (Richard Ouzounian)

Toronto – Canadian Opera – Neuproduktion Tristan und Isolde

Ich habe mich sooooooooooooo lange nicht gemeldet – ist aber auch alles gerade ziemlich anstrengend: Ich bin seit Anfang Januar in Toronto an der Canadian Opera, derzeit mitten in den Proben zu Richard Wagners „Tristan und Isolde“, meinem Debüt in dieser Rolle. Gemessen an den Ankündigungen ist die Erwartungshaltung sehr hoch. Zitat: „Legendary director Peter Sellars recreates his awe-inspiring production in Toronto, starringt two of the world’s leading dramatic singers Ben Heppner and Melanie Diener”. Premiere ist dann am 29. Januar, ich und das gesamte Ensemble sind schon sehr gespannt. Leider gibt es keinen Souffleur hier am Hause, was die Situation natürlich erheblich erschwert, ich habe damit nicht gerechnet, da ich diese Partie zum ersten Mal singe und außerdem debütieren noch drei andere Kollegen in ihren Partien. Bin zwar sehr gut vorbereitet, habe die Rolle zuhause über Monate intensiv studiert, aber allein schon die Wagner‘sche Sprache, die muss zuerst mal in den Kopf! Alles eine Frage der Konzentration – wir proben jeden Tag sechs Stunden, da ist die volle Aufmerksamkeit gefordert, das ist Anspannung pur, alles nicht so einfach. Nebenher musste ich auch noch innerhalb meines Apartmentbuildings zweimal umziehen, hier ist es unglaublich laut. Auch das Drumherum ist nicht gerade ideal – es gibt keine Kantine am Probenort und auch keine im Opernhaus, was den Tagesablauf nicht leichter macht. Und dann habe ich noch nicht mal eine vertraute Seele bei mir, mit der ich mich unterhalten , der ich mich anvertrauen, die mich etwas runterholen, etwas beruhigen könnte nach all den Turbulenzen. Meine Nerven sind, zugegebenermaßen, ziemlich angespannt, das wird sich, wie so oft, nach der Premiere sehr schnell ändern und Anfang März bin ich dann auch wieder zuhause, zumindest für eine Weile, dann steht Moskau mit dem Rosenkavalier auf dem Terminplan. Da hilft nur gelegentliches Skypen mit den Lieben daheim in Waiblingen. Zum Glück war das Wetter bisher gnädig, wenn man von Kanada redet, stellt man sich ja immer bibbernde Kälte vor – zum Wochenende soll die allerdings auch kommen, so jedenfalls die Prognosen. Warten wir’s ab.


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